Ein Teil vom Nabburger Lauftreff „Prosecco Pace” | Amberg24

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
gestern
Die beiden Gründerinnen der Lauf gruppe Prosecco Pace sind diesen Sommer mit ihren Community Runs ganz unerwartet von null auf hundert durchgestartet. (Bild: Bastian Müller)
Die beiden Gründerinnen der Lauf gruppe Prosecco Pace sind diesen Sommer mit ihren Community Runs ganz unerwartet von null auf hundert durchgestartet. (Bild: Bastian Müller)
Die beiden Gründerinnen der Lauf gruppe Prosecco Pace sind diesen Sommer mit ihren Community Runs ganz unerwartet von null auf hundert durchgestartet. (Bild: Bastian Müller)
cancel
info
Die beiden Gründerinnen der Lauf gruppe Prosecco Pace sind diesen Sommer mit ihren Community Runs ganz unerwartet von null auf hundert durchgestartet. (Bild: Bastian Müller)

Ein Teil vom Nabburger Lauftreff „Prosecco Pace”

Menschen aus der Region, ein paar Kilometer, gute Laune und die Lust, den Sonntagabend nicht allein zu verbringen. Ich wollte wissen, was hinter Prosecco Pace steht. Eine Laufgruppe, bei der es nicht darum geht, wer am schnellsten ist.

Am Murner See ist an diesem Sonntagabend im Spätsommer einiges los. Als ich am Treffpunkt ankomme, trudeln nach und nach immer mehr Sportler ein, begrüßen sich, plaudern, ziehen ihre Laufschuhe fest. Manche kennen sich schon länger, andere sind wie ich heute das erste Mal bei Prosecco Pace dabei. Und während ich noch ein bisschen orientierungslos auf die Gruppe zulaufe, kommen schon Sophie und Milena auf mich zu, heißen mich willkommen und wechseln ein paar Worte mit mir, bevor sie weitere Neuankömmlinge herzlich begrüßen.

Die beiden Gründerinnen der Laufgruppe Prosecco Pace sind diesen Sommer mit ihren Community Runs ganz unerwartet von null auf hundert durchgestartet. Beide kommen aus Nabburg und organisieren die wöchentlichen Läufe neben ihren Jobs, Hobbys und allem, was sonst noch so im Leben anfällt. Dass daraus so schnell eine feste Gruppe werden würde, damit hatten sie selbst nicht gerechnet. Heute sieht es allerdings ziemlich eindeutig danach aus.

Ein paar Minuten später stehen alle Läufer im Kreis. Kevin, ein Freund der beiden, übernimmt das Aufwärmen. Beine, Rücken, Arme, Schultern – einmal alles durchbewegen und dehnen. Die Stimmung ist locker, aber noch ein bisschen zurückhaltend. Als nächstes werden zwei Gruppen gebildet. Die Anfänger laufen mit Sophie in einem Tempo von etwa acht bis neun Minuten pro Kilometer. Milena übernimmt heute die schnellere Gruppe von etwa einem Dutzend Sportlern, die sich mit einer angedachten Pace von sechs bis sieben Minuten pro Kilometer auf den Weg machen. Ich schließe mich den Fortgeschrittenen an. Erst noch ein paar Schritte gehen und dann laufen wir los. Und plötzlich ändert sich die Stimmung. Denn sobald die Musik aus der Musikbox, die Milena den ganzen Lauf mit sich trägt, lauter wird und sich die Gruppe joggend in Bewegung setzt, ist da plötzlich diese Energie.

Zusammen statt gegeneinander

Dass es überhaupt zwei Gruppen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten gibt, war eine der ersten Lehren, die Sophie und Milena aus ihren Läufen gezogen haben. Denn so groß die Lust auf Sport auch sein mag, die Voraussetzungen und das Leistungsspektrum der Teilnehmer sind nicht immer gleich. Und auch die Hemmschwelle ist für viele zunächst groß: Bin ich schnell genug? Schaffe ich die Strecke? Kann ich mit den anderen mithalten? Bei Prosecco Pace soll genau diese Angst keine Rolle spielen.

„Es wird keiner zurückgelassen oder ausgelacht“, sagt Milena. Wer langsamer laufen muss, sagt es. Dann wird das Tempo angepasst oder eine der beiden Gründerinnen bleibt mit stehen oder läuft langsamer mit. Niemand soll am Ende allein hinter der Gruppe herlaufen.

Was auch auffällt: Die Gruppe fällt nicht auseinander. Diejenigen, die gerade vorne laufen, drehen irgendwann um, laufen an der Gruppe vorbei nach hinten und reihen sich dort wieder ein. Ein kleines Ritual, das dafür sorgt, dass die Gruppe zusammenbleibt. Denn genau das ist für Sophie und Milena maßgeblich. „Gemeinsam ankommen“ ist für sie wichtiger als eine schnelle Zeit.

Nebenbei lernt man sich kennen

Während die Landschaft vorbeizieht, wechseln auch die Gesprächspartner. Mal laufe ich ein paar Minuten neben dem einen, dann neben der nächsten. Wir unterhalten uns über das Laufen, über andere Hobbys, über den Job, und wir finden Gemeinsamkeiten. Es sind diese kleinen Zufälle, die aus einer Gruppe von Läufern langsam eine Gemeinschaft machen.

Sophie und Milena haben Prosecco Pace genau deshalb gegründet. Eigentlich begann alles ganz unspektakulär: Beide hatten unabhängig voneinander Anfang des Jahres angefangen zu laufen. Doch Milena merkte schnell, dass ihr allein die Motivation fehlte. Zu zweit fiel es leichter. „Irgendwann dachte ich: ‚So geht es doch bestimmt vielen‘“, erzählt Sophie. Also entstand die Idee für eine eigene Laufgruppe. Viel geplant wurde nicht. Die beiden probierten es einfach aus. „Wir sind direkt in die Vollen gegangen.“ Die ersten zwei, drei Läufe waren sie selbst überrascht, dass überhaupt jemand kam. Beim dritten oder vierten Treffen zeichnete sich dann ab: Das hier wird was Großes.

Heute kommen die Teilnehmer nicht nur aus Nabburg und Schwandorf, sondern auch aus Weiden, Pfreimd, Burglengenfeld und anderen Orten der Region. Manche laufen seit Jahren, andere haben gerade erst angefangen. Einige sind zusätzlich in anderen Laufgruppen aktiv, andere würden ohne Prosecco Pace vermutlich gar nicht oder deutlich seltener Sport machen, wie mir eine Teilnehmerin während des Laufes erzählt. Ohne Prosecco Pace könne sie sich nicht zum Joggen motivieren und sei froh, Ansporn und Unterstützung für den Ausdauersport zu bekommen.

Ein bisschen Kuba am Murner See

Wir laufen weiter am See entlang. Die Landschaft macht es leicht, die Tatsache zu vergessen, dass die Beine immer schwerer werden und die Verlockung, einfach stehen zu bleiben, immer größer wird. Wasser, Wald, Abendlicht – ziemlich gute Bedingungen, um sich freiwillig in einer Pace von momentan 6,10 Minuten pro Kilometer zu bewegen. Denn zugegeben: Das ist doch etwas schneller, als ich es bei meinen Joggingrunden präferiere, die ich regelmäßig allein – mit einem Podcast im Ohr – bestreite.

Dass die Läufe häufig an einem der Seen rund um Schwandorf stattfinden, gehört zum Konzept von Prosecco Pace. Für Sophie ist der Murner See dabei ein besonderer Lieblingsort. Im Sommer ist sie teilweise schon um halb fünf Uhr morgens hierhergefahren, um zu laufen. Sonnenaufgang, Wasser, Natur – und das Gefühl, dass der Tag noch gar nicht richtig begonnen hat, während man selbst schon etwas geschafft habe, erklärt die 29-Jährige. „Aber auch die Sonnenuntergänge sind magisch“, sagt sie. „Fast ein bisschen wie auf Kuba“, ergänzt die Nabburgerin lachend.

Unter der Woche geht es auch einmal an etwas regionalere Treffpunkte – etwa Richtung Nabburg. Für die Sonntagsläufe wählen Sophie und Milena gerne einen der bekannteren Seen. Dabei geht es nicht nur um die Optik. Der Untergrund muss stimmen. Asphalt oder gut begehbare Wege sind wichtig. Eine Strecke kann noch so schön aussehen – wenn man permanent über Wurzeln stolpert, ist der Spaß schnell vorbei.

Heute ist die Streckenbeschaffenheit perfekt. Aus der Musikbox kommt weiterhin Motivation, aus der Gruppe sowieso. Zwischendurch ruft immer wieder jemand, dass man durchhalten soll. Dass es nicht mehr weit ist. Dann kommt die Aufforderung zum Sprint. Einige ziehen tatsächlich noch einmal an. Andere bleiben in ihrem Tempo. Es gibt keinen Pokal, keine Rangliste und am Ende auch keinen Blick auf die Uhr, bei dem irgendjemand enttäuscht sein müsste. Dennoch haben wir die Runde nach 6,33 Kilometern und knapp 40 Minuten mit einer finalen Durchschnittsgeschwindigkeit von 6,14 Minuten pro Kilometer geschafft. Die schnellere Gruppe wartet noch auf die anderen. Einige laufen ihnen sogar entgegen – ein paar zusätzliche Meter inklusive. Die Sonne steht mittlerweile tief über dem See und wird in der nächsten halben Stunde zum Untergang ansetzen. Genau dieses stimmungsvolle Licht ist die Belohnung für unseren beendeten Gemeinschaftslauf.

Der wichtigste Teil kommt danach

Es wird abgeklatscht, gejubelt und kurz durchgeatmet. Solche Momente meint Sophie, wenn sie erzählt, dass sie das Strahlen der Leute nach dem Lauf berührt. Als schließlich alle wieder zusammen sind, passiert etwas, das bei einem normalen Lauf eher selten vorkommt: Niemand hat es besonders eilig, nach Hause zu kommen.

Die Laufschuhe bleiben an und es geht weiter zum Strand des Murner Sees, um noch ein paar Getränke zusammen zu trinken. Die Stimmung ist ausgelassen. Es wird geredet, gelacht, dem Sonnenuntergang zugesehen. Der Lauf ist vorbei, aber der Sonntagabend noch lange nicht. Und genau das ist kein nettes Extra, sondern ein wichtiger Teil der Idee. „Das ist eigentlich das Wichtige vom Ganzen“, sagt Sophie. Beim Laufen entstehen zwar schon Gespräche. Aber wenn der Puls wieder normal ist, wird anders miteinander gesprochen. „Man kann alles nochmal Revue passieren lassen.“ Es geht um tiefgründigere Themen, um Pläne, manchmal auch um ziemlich konkrete Ideen: etwa eine Anmeldung zum Halbmarathon oder ein Dult-Besuch in Regensburg.

Das Ziel sind Connections

Der Name Prosecco Pace ist deshalb ziemlich bewusst gewählt. Das Getränk danach gehört genauso zur Idee der Gründerinnen wie die Laufschuhe. Der Prosecco steht für die andere Hälfte des Konzepts: Sport und Genuss, Bewegung und Geselligkeit, sich auspowern und anschließend gemeinsam den Abend genießen. „Uns ist die Balance zwischen allem wichtig“, erklärt Milena.

„Erst laufen, dann saufen“ lautet der augenzwinkernde Slogan, der inzwischen sogar außerhalb der Gruppe bekannt ist. Mal geht es nach dem Lauf auf ein Getränk, mal zum Essen. Wenn möglich, verbinden Sophie und Milena die Treffen mit dem Besuch regionaler Cafés, Bäckereien oder Restaurants.

Denn Prosecco Pace soll nicht nur eine Laufgruppe sein. Es sollen Freundschaften entstehen. Menschen sollen Anschluss finden. Und vielleicht ergibt sich sogar ein neues soziales Umfeld, mit dem man Sport oder andere Unternehmungen machen kann. „Wir wollten Verbindungen schaffen, zwischen Leute, die sonst nicht zusammenkommen würden“, erzählt Milena.

Das funktioniert offenbar erstaunlich gut. Einige Teilnehmer sind seit dem ersten Lauf dabei. Andere kommen Woche für Woche wieder und unternehmen sogar abseits vom Lauftreff etwas miteinander. Die Gruppe ist inzwischen bunt gemischt: Frauen und Männer, überwiegend jüngere Teilnehmer bis Mitte 30, aber auch Menschen bis in die Mitte 50. Manche kommen mit Freunden, manche allein, manche mit Hund.

„Du musst dich einfach trauen“

Auch Sophie kennt das Gefühl, sich vor etwas Neuem erst einmal zu viele Gedanken zu machen. Deshalb ist ihre Botschaft an alle, die bisher noch überlegen, ob sie sich zu einem Lauf trauen: einfach machen. Man müsse nicht schnell sein. Nicht besonders fit. Nicht einmal unbedingt motiviert. „Bei uns gibt es kein ‚Ich kann das nicht‘“, sagt sie.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum die Gruppe so schnell gewachsen ist. Weil niemand das Gefühl bekommt, erst etwas leisten zu müssen, bevor er dazugehört.

Während am Murner See langsam die Sonne tiefer sinkt, wird klar, dass hier längst mehr entstanden ist als eine wöchentliche Laufrunde. Prosecco Pace verbindet Bewegung mit Begegnung. Es geht um Motivation, aber genauso um Freundschaft. Um den ersten Schritt – und darum, danach noch ein bisschen zu bleiben.

Für Sophie und Milena soll die Gruppe deshalb weiterwachsen. Vielleicht gibt es irgendwann einen Benefiz- oder Spendenlauf. Vielleicht wird gemeinsam ein Marathon gelaufen. Sicher ist nur: Die Prosecco-Pace-Familie soll wachsen.

Am Ende dieses Abends verstehe ich zumindest, warum die Menschen wiederkommen. Nicht unbedingt, weil sie schneller werden wollen. Sondern weil es leichter ist, loszulaufen, wenn andere neben einem laufen. Und weil sechs Kilometer am See entlang mit einer Gruppe von Menschen sich deutlich weniger nach Pflichtprogramm anfühlt – und dafür mehr nach einem guten Sonntagabend.

 
north