Nur wenn Journalismus unabhängig bleibt, kann er seine Aufgabe erfüllen | Amberg24

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vor 4 Stunden
Journalisten und Mediengestalter berichten für Oberpfalz-Medien aus den kreisfreien Städten Amberg und Weiden sowie den Landkreisen Amberg-Sulzbach, Neustadt/WN, Schwandorf und Tirschenreuth. Ebenso wichtig wie Artikel sind dabei inzwischen digitale Formate wie Videos und Podcasts. (Grafik: Franka Eichl)
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Journalisten und Mediengestalter berichten für Oberpfalz-Medien aus den kreisfreien Städten Amberg und Weiden sowie den Landkreisen Amberg-Sulzbach, Neustadt/WN, Schwandorf und Tirschenreuth. Ebenso wichtig wie Artikel sind dabei inzwischen digitale Formate wie Videos und Podcasts. (Grafik: Franka Eichl)

Nur wenn Journalismus unabhängig bleibt, kann er seine Aufgabe erfüllen

Die Arbeit von Lokalredaktionen ist wichtig für die Gesellschaft. Gleichzeitig wächst der Druck auf Medienunternehmen. Das hat auch - aber nicht nur - mit Geld zu tun. Eine Einordnung zum „Tag des Lokaljournalismus”.

Oberpfalz-Medien ist das führende Medienhaus der Nordoberpfalz. Mit unseren Zeitungstiteln „Der neue Tag“, „Amberger Zeitung“ und „Sulzbach-Rosenberger Zeitung“ sowie unseren Portalen Onetz, Weiden24, Amberg24 und oberpfalzdaheim erreichen wir täglich mehr als 100.000 Menschen. Dazu kommen weitere auflagenstarke Publikationen: die „Oberpfälzer Wochenzeitung OWZ” und Magazine wie „LEO” und „#Oberpfälzerin”. Wir stehen damit in der Region wie niemand sonst für unabhängigen Lokaljournalismus. Andere Angebote verfügen bei weitem nicht über unsere Reichweite, und viel wichtiger: Sie stehen größtenteils unter dem direkten inhaltlichen Einfluss von Interessengruppen aus Politik und Wirtschaft.

Daraus erwächst für uns eine Verantwortung, die wir sehr ernst nehmen. Denn unabhängiger Lokaljournalismus ist von zentraler Bedeutung für das Leben einer Region. Das zeigt der Blick auf andere Regionen der Welt, in denen es keine funktionierenden lokaljournalistischen Angebote mehr gibt: Korruption nimmt zu, öffentliche Verwaltungen funktionieren weniger effektiv, die Demokratie leidet unter Politikverdrossenheit und sinkender Wahlbeteiligung, Fehlinformation und Hetze bestimmen den Diskurs. Der Effekt ist messbar und verschlechtert ganz direkt die Lebensqualität der Menschen. Auf diese Bedeutung weist der „Tag des Lokaljournalismus” hin, den wir am 5. Mai gemeinsam mit vielen Medienhäusern aus dem deutschsprachigen Raum feiern - im Netz unter dem Hashtag #TDL26.

Wirtschaftlicher Druck

Knapp 80 angestellte Journalistinnen und Journalisten arbeiten in der Redaktion von Oberpfalz-Medien. Unterstützt werden wir von rund 200 freien Berichterstattern, verteilt über das gesamte Verbreitungsgebiet. Ich weiß, dass meine Kolleginnen und Kollegen ebenso wie ich für Lokaljournalismus brennen. Wir gehen diesem schönen Beruf aus Überzeugung nach und sehen mehr darin als nur einen „Job”. Wir verschließen aber nicht die Augen vor der Realität: Lokaljournalismus kann seine Aufgabe nur dann erfüllen, wenn er langfristig finanziell gesichert ist. Und das ist keine Selbstverständlichkeit mehr.

Die gedruckte Zeitung, früher der alleinige Kern unseres Geschäftsmodells, verliert an Bedeutung. Das ist ein weltweiter Trend, der sich nicht aufhalten lässt. Gleichzeitig sind wir seit 30 Jahren auf digitalen Kanälen präsent und gewinnen dort zunehmend Abonnentinnen und Abonnenten. In Summe führt das dazu, dass wir heute so viele Menschen in der Region erreichen, wie nie zuvor. Wir sehen das als Bestätigung des Kurses, den wir konsequent verfolgen: weiterhin täglich eine immer bessere Lokalzeitung zu produzieren und gleichzeitig alle Möglichkeiten der digitalen Welt zu nutzen.

Mehrwert für die Leser

Für uns als Redaktion ist das eine große Herausforderung. Die wirtschaftliche Entwicklung lässt es kaum zu, den zusätzlichen Aufwand mit steigenden Personalressourcen aufzufangen. Deshalb müssen wir unsere Arbeitsweise immer wieder hinterfragen und weiterentwickeln. Mit welchen Inhalten können wir unseren Leserinnen und Lesern einen echten Mehrwert bieten? Was lassen wir weg, weil es nur einen sehr begrenzten Kreis interessiert und auch an anderer Stelle verfügbar ist? Wo kann uns neue Technik, insbesondere auch KI, unterstützen? Wo ziehen wir bewusst die Grenze und setzen darauf, dass Inhalte von echten Menschen erstellt, bearbeitet und überprüft werden?

Wir stellen uns dieser Herausforderung bereitwillig, weil wir davon überzeugt sind, dass wir einen wichtigen Beitrag für das Leben und die Gesellschaft in der Region leisten. Wir sehen aber, dass die Rahmenbedingungen für unsere Arbeit problematischer werden. Im Gegensatz zu öffentlich-rechtlichen Medien und zu privaten Radio- und Fernsehsendern bekommen wir kein Geld aus Rundfunkgebühren oder sonstige Unterstützung aus der öffentlichen Hand. Die Kosten für Druck und Zustellung der gedruckten Zeitung steigen überproportional zur allgemeinen Preisentwicklung, und zwar so stark, dass sie durch Anpassungen des Abo-Preises kaum noch aufzufangen sind. Gleichzeitig erfordert die Hinwendung zu einer tragfähigen digitalen Zukunft hohe Investitionen in Technik und Qualifizierung.

Zwischen den Stühlen

Zu diesem wirtschaftlichen Druck kommen gesellschaftliche Trends, die unsere Arbeit noch anspruchsvoller machen. Der Grundkonsens in der Gesellschaft schwindet, immer mehr Themen werden zu echten Streitpunkten. Sachliche Diskussion weicht emotionaler Auseinandersetzung. Statt Anstand und Respekt dominieren Polemik, Beleidigungen und nicht selten offener Hass. Wir als Journalisten stehen oft zwischen den Stühlen, versuchen zu vermitteln und sachlich über Fakten aufzuklären - und werden dafür von beiden Seiten zum „Feind” erklärt und angegriffen.

Dazu passt ein weiterer Trend: Viele Lokalpolitiker und Parteifunktionäre wollen sich nicht damit abfinden, dass ein unabhängiges Lokalmedium kein schwarzes Brett für ihre Selbstdarstellung ist. Als Journalisten müssen wir objektiv und bei Bedarf kritisch hinterfragen, ob die Politik den Interessen der Bürgerinnen und Bürgern in der Region dient. Diesen Auftrag haben uns die Väter des Grundgesetzes gegeben. Sie haben uns dafür mit gesetzlich zugesicherten Privilegien ausgestattet, und uns gleichzeitig einen strengen Rahmen dafür gesetzt, wie wir verantwortungsvoll mit diesen Privilegien umgehen.

Politiker auf dem Egotrip

Statt das zu akzeptieren und im Sinne der Demokratie zu unterstützen, wünschen sich manche Bürgermeister, Landräte und Abgeordnete eine „Hofberichterstattung”, die vor allem ihre - tatsächlichen oder vermeintlichen - Leistungen positiv herausstellen soll. Am besten auf Gruppenbildern, optimistisch lächelnd und mit hochgerecktem Daumen. Wenn wir diese künstlich gestellte Darstellung verweigern, machen sie das zum Thema in ihren Social-Media-Auftritten und auf Veranstaltungen, indem sie gegen uns polemisieren und teils sogar zum Boykott aufrufen.

Manche gehen einen Schritt weiter und missbrauchen ihre Macht als gewählte Amtsinhaber, um Druck auf uns auszuüben. Sie strafen unseren Verlag mit dem Entzug von kommunalen Werbebudgets ab. Oder sie versuchen, unsere Arbeit zu erschweren, indem sie Auskünfte, zu denen Verwaltungen und Kommunalunternehmen gesetzlich verpflichtet sind, bis an die Grenze des Zulässigen blockieren - und teils darüber hinaus.

Redaktion auf Tour

Wir lassen uns davon weder einschüchtern, noch beirren. Unsere einzigen Auftraggeber sind die Menschen in der Region. Unsere Leserinnen und Leser auf allen Kanälen - und auch diejenigen, die wir noch für uns gewinnen möchten. Um noch besser zu verstehen, was die Menschen in den Gemeinden, Städten und Landkreisen der Nordoberpfalz bewegt, wollen wir noch stärker in den direkten Austausch mit ihnen kommen. Nicht über soziale Medien, Mails oder Telefon, sondern persönlich von Angesicht zu Angesicht.

Deshalb starten wir in diesem Sommer ein neues Format: „Redaktion on Tour”. Von Mitte Juni bis Ende Oktober werden wir mit einem eigens dafür umgebauten Fahrzeug an 20 Stationen über das gesamte Verbreitungsgebiet verteilt vor Ort sein. Wir wollen vor allem mit den Menschen ins Gespräch kommen, die wir nicht bei offiziellen Anlässen und Terminen treffen. Mit Ihnen!

Wir wollen erfahren, was Sie bewegt, worüber Sie sich ärgern, was Sie freut. Und vor allem wollen wir verstehen, welche Themen wir für Sie aufgreifen können und sollen. Wofür interessieren Sie sich? Was wollten Sie schon immer mal wissen? Wir werden diese Themen mit zurück in die Redaktion nehmen und daraus Beiträge machen, die Antworten und einen echten Nutzwert liefern. Über die Termine und Standorte informieren wir jeweils rechtzeitig. Kommen Sie vorbei, wir freuen uns auf das Gespräch!

 
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