Rosalía, Bad Bunny & Co.: Warum Latin Pop die Welt erobert | Amberg24

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Der Puerto-Ricaner Bad Bunny gilt als Anführer der neuen Latin-Pop-Welle. (Archivbild) (Bild: Amy Harris/Invision/AP/dpa)
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Der Puerto-Ricaner Bad Bunny gilt als Anführer der neuen Latin-Pop-Welle. (Archivbild) (Bild: Amy Harris/Invision/AP/dpa)

Rosalía, Bad Bunny & Co.: Warum Latin Pop die Welt erobert

Eine Erfolgswelle spanischsprachiger Musik gibt es schon länger, bei den Grammys darf nun Bad Bunny auf weitere Preise hoffen. Warum begeistern Latin-Pop-Künstler eigentlich gerade so viele Hörer?

Spanischsprachige Künstler erleben weltweit einen Höhenflug. Bad Bunny steht im Februar auf einer der größten Bühnen der Welt, bei der Halftime Show des Super Bowl, und singt dort als erster Headliner überhaupt komplett auf Spanisch. Bei der Grammy-Verleihung am Wochenende ist er sechsmal nominiert.

Der Puertoricaner ist der erste spanischsprachige Künstler, der bei den Grammys Nominierungen in mehreren Top-Kategorien gleichzeitig erhielt. Der 31-Jährige mischt Reggaeton, Latin Trap und Pop und füllt weltweit Stadien. Im Dezember führte er erneut die Spotify-Jahrescharts als meistgestreamter Künstler weltweit an. 

Sofort ausverkaufte Konzerttickets

Die spanische Sängerin Rosalía löste kürzlich mit ihrem neuen Album „Lux“ Schockwellen in den sozialen Medien und im Feuilleton aus. Tickets für ihre Deutschland-Konzerte waren innerhalb weniger Minuten ausverkauft, viele Fans gingen leer aus. Bei Bad Bunny, der im Juni nach Düsseldorf kommt, war es ähnlich.

Sie sind nicht die ersten spanischsprachigen Popstars - und doch ist diesmal vieles anders. Bad Bunny und Rosalía sind nur zwei prominente Beispiele einer Bewegung, die die Charts längst nicht mehr nur in Spanien und Lateinamerika dominiert. Doch warum sind diese Künstler so beliebt? Was zeichnet sie aus – und wo fing das alles eigentlich an? Liegt es vor allem an ihrer guten Musik?

„Despacito“ als Urknall

Grundsätzlich beschreibt Latin Pop Musik, die Pop-Melodien mit lateinamerikanischen Rhythmen verbindet. Als Ausgangspunkt für die Renaissance des Genres gilt vielen der Song „Despacito“ der Puerto Ricaner Luis Fonsi und Daddy Yankee – genauer der Remix mit dem kanadischen Megastar Justin Bieber, der im April 2017 erschien.

Er wurde zum ersten spanischsprachigen Nummer-eins-Hit in den USA seit „Macarena“ 1996. Auf Youtube sammelte der Song binnen Monaten rund 3,5 Milliarden Klicks; in Deutschland wurde er zum Sommerhit des Jahres.

Entscheidend dürfte in diesem Fall die Unterstützung durch einen prominenten Musiker gewesen sein. „Ich glaube definitiv, dass es ein Davor und ein Danach gab … aber ich werde die Latin-Bewegung niemals als meinen alleinigen Verdienst beanspruchen“, sagte Luis Fonsi dem Magazin „Forbes“.

Dennoch lässt sich der Einfluss von „Despacito“ klar ablesen: Wie die kolumbianische Musikexpertin Leila Cobo 2018 im US-Branchenblatt „Billboard“ schrieb, schafften es 2015 drei Songs in die US-Charts, 2016 waren es vier. 2017, im Jahr als der Bieber-Remix erschien, waren es ganze 19, darunter auch mehrere mit Latin-Vorreiterin Shakira.

Die Rolle von Streaming und internationalen Kollaborationen

Das Prinzip, sich mit großen Mainstream-Künstlern zusammenzutun, wiederholten auch J Balvin und Willy William, die 2017 einen Remix von „Mi Gente“ mit Beyoncé veröffentlichten. Sänger Ozuna nahm den Song „Lo Modelo“ mit Rapperin Cardi B auf. Rosalía tat sich unter anderem mit Travis Scott, Billie Eilish und The Weeknd zusammen. 

Ein weiterer entscheidender Faktor ist das Musikstreaming. Cobo schrieb, dass Streaming mittlerweile ein wesentlicher Bestandteil der US-Charts sei – und dass Plattformen wie Spotify und Youtube Latin-Künstler sichtbarer machten als traditionelle Radiosender, die sie lange ignorierten. „Streaming hat es ermöglicht, unsere Lebensfreude mit der Welt zu teilen“, sagte auch Luis Fonsi. „New York Times“-Musikkritiker Jon Pareles schrieb, dass die Künstler nicht mehr auf den US-Markt angewiesen seien - die Welt höre bereits zu.

Hitmaschine für den globalen Markt

Der Erfolg liegt aber auch am Sound selbst. Leila Cobo schreibt, dass lateinamerikanische Künstler früher vor allem für ihren Heimatmarkt produzierten. Heute schreiben viele für ein globales Publikum – und setzen dabei weniger auf Sprache als auf Tanzbarkeit. Und in der Tat: Die Lieder sind in der Regel von einem eingängigen Reggaeton-Beat getrieben und vereinen in sich eine Bandbreite unterschiedlicher Einflüsse.

Damit schließt sich der Kreis zu Bad Bunny und Rosalía: Oft machen Latin-Künstler Popmusik, die auch deswegen vielen Spaß macht, weil sie so innovativ ist und stetig neue Impulse setzt. Auf dem neuen Rosalía-Album sind Klassik-Elemente sehr präsent. Bad Bunny webt auf seinem neuesten Album „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“, das Anfang 2025 erschien, puerto-ricanische Folkmusik und Salsa in seinen ohnehin schon sehr facettenreichen Sound ein. 

Kontroverse um den Super Bowl

Auch feiert Bad Bunny auf „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“ weiter die spanische Sprache - was neben seinem politischen Engagement inzwischen zu einem Markenzeichen geworden ist. „Ich denke auf Spanisch, ich fühle auf Spanisch, ich esse auf Spanisch, ich singe auf Spanisch“, sagte er 2023 der „Vanity Fair“. Beim Super Bowl wird er ebenfalls ausschließlich Spanisch singen - um die Show hat sich längst ein Kulturkampf entsponnen. 

Konservative Politiker und Trump-nahe Gruppen kritisieren die Wahl als „politisches Statement“ und fordern eine „All-American“-Alternative. Bad Bunny hatte zuvor Kritik an Abschiebungen und Razzien geübt und angekündigt, aus Sorge vor ICE-Einsätzen im Rahmen seiner Welttournee vorerst keine Konzerte in den USA zu spielen.

Jennifer Lopez und Shakira als Vorreiterinnen

Bad Bunny stand beim Super Bowl schon 2020 auf der Bühne - gemeinsam mit zwei Vorreiterinnen für die weltweite Popularität von Latin Pop, Jennifer Lopez und Shakira. Wie im Nachhinein bekannt wurde, gab es hier Kritik: „Es war eine Beleidigung zu sagen, man bräuchte zwei Latinas für einen Job, den vorher ein Künstler gemacht hat“, sagte J.Lo's Manager Benny Medina in der Netflix-Doku „Jennifer Lopez: Halbzeit“. 

Dass Bad Bunny nun alleine die Bühne betreten darf, kann als weiteres Zeichen gewertet werden, dass Musikfans um Latin Pop inzwischen nicht mehr herumkommen.

© dpa-infocom, dpa:260130-930-619026/2

 
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