Wie zwei junge Regisseure Hollywood das Fürchten lehren | Amberg24

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Renate Reinsve spielt im Horrorfilm „Backrooms“ mit. (Archivbild) (Bild: Andreea Alexandru/Invision/AP/dpa)
Renate Reinsve spielt im Horrorfilm „Backrooms“ mit. (Archivbild) (Bild: Andreea Alexandru/Invision/AP/dpa)
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Renate Reinsve spielt im Horrorfilm „Backrooms“ mit. (Archivbild) (Bild: Andreea Alexandru/Invision/AP/dpa)

Wie zwei junge Regisseure Hollywood das Fürchten lehren

Gefangen in den „Backrooms“ oder besessen in „Obsession“: Zwei Gen-Z-Regisseure landen mit ihren Horrorfilmen und vergleichsweise kleinem Budget momentan internationale Erfolge. Wie schaffen sie das?

Zwischen Blockbustern wie „The Mandalorian and Grogu“, „Der Teufel trägt Prada 2“ und Spielbergs „Disclosure Day“ passiert gerade etwas Interessantes an den Kinokassen. Denn es sind nicht immer die großen Hollywood-Produktionen, die für Überraschungen sorgen. Im Gegenteil: Momentan gehen zwei vergleichsweise kleine Horrorfilme durch die Decke. 

Zwar stehen „Backrooms“ (Kinostart 18. Juni) und „Obsession – Du sollst mich lieben“ (Kinostart 25. Juni) erst kurz vor ihrem deutschen Start. Doch der Erfolg an den internationalen Kinokassen deutet darauf hin, dass beide Produktionen hierzulande zu einem Hit werden könnten. Auch wenn die Plots der zwei Horrorstreifen auseinandergehen, haben sie einiges gemeinsam. 

Gen Z erobert Hollywood

Hinter beiden stecken junge Regisseure, die ihre ersten Schritte schon bei der Plattform YouTube gemacht haben. Beide mussten nun mit einem verhältnismäßig niedrigen Budget arbeiten, das sie innerhalb kürzester Zeit locker wieder eingespielt haben. Der Hype zeigt auch: Die Generation Z - also die heute etwa 15- bis gut 30-Jährigen (grob die zwischen 1995 und 2010 Geborenen) - mischt mit ihren Stoffen das etablierte Hollywood auf. 

Da ist zum Beispiel „Backrooms“ des 20-jährigen Regisseurs Kane Parsons über ein endloses Labyrinth bestehend aus grell beleuchteten, unheimlichen Räumen. Der Film hat ein Budget von geschätzt zehn Millionen Dollar und ist schon Ende Mai in den USA gestartet. 

Seitdem hat er bislang mehr als 200 Millionen US-Dollar weltweit eingespielt. Damit ist er laut Branchenmagazinen der bislang erfolgreichste Film des populären Arthaus-Studios A24 und hat sogar das Tischtennis-Drama „Marty Supreme“ mit Timothée Chalamet aus dem Hause überholt. 

Worum es in „Backrooms“ geht

Neu ist die Idee hinter „Backrooms“ nicht, die Adaption für das Kino aber schon. Sie beruht auf einem Horror-Phänomen in den Tiefen des Internets, das Nutzerinnen und Nutzer über die Jahre immer weitergesponnen haben. Entstanden ist es 2019 durch ein Bild auf einer Internetplattform, das eine schier endlose, leere, gelb tapezierte Raumlandschaft zeigt.

Nutzer nahmen das Foto zum Anlass, um daraus Gruselgeschichten über eine Art Parallelrealität zu entwickeln. Räume an Räumen, aus denen man entkommen muss – die sogenannten „Backrooms“. 

2022 setzte Parsons seine Interpretation dieser „Backrooms“ in einem Kurzfilm und in anderen Videos auf YouTube um. Sie zählen mehrere Millionen Aufrufe, allein der rund neunminütige Kurzfilm „The Backrooms (Found Footage)“ kommt auf etwa 84 Millionen Aufrufe. 

Rund um diesen Hintergrund hat Karsons eine sehenswerte Geschichte für die Leinwand inszeniert. Der Erfolg seines Films dürfte sich auch damit erklären, dass es ihm gelingt, den Internet-Mythos auf rund 110 Minuten Länge auszubauen, ohne dass es langweilig wird. Auch Vorwissen zu dem „Backrooms“-Phänomen ist nicht wirklich notwendig, um den Film zu verstehen. So spricht Karsons sowohl die junge Generation als auch neugierige Horrorfans an.

Räume weichen leicht von Realität ab

In den Hauptrollen sind Chiwetel Ejiofor („12 Years a Slave“) als Eigentümer eines Möbelgeschäfts und Renate Reinsve („Sentimental Value“) als Psychologin zu sehen. Als der Möbelhändler eine unsichtbare Tür in einer Wand seines Ladens entdeckt, gerät er in eine unheimliche Parallelwelt mit verschachtelten, fensterlosen Räumen und einer trostlosen, surrenden Deckenbeleuchtung. 

Die Zimmer scheinen immer leicht von der Realität abzuweichen. Stühle stehen wild verteilt herum, Möbelstücke versinken teilweise im Boden. Türen erscheinen an Stellen, an denen sie nicht sein sollten, sogar in der Decke. Die Psychologin macht sich auf den Weg, ihren Patienten zu retten und begibt sich dabei selbst in Gefahr.

Immer wieder stellt man sich die Frage, wie man selbst in diesem Labyrinth handeln würde. Für Zuschauer mit schwachen Nerven dürfte „Backrooms“ keine leichte Kost sein.

Davon handelt „Obsession“

Ähnliches gilt definitiv für „Obsession“, der seit Mitte Mai in den USA läuft. Auch der Film von Curry Barker hat einen Rekord gebrochen: Es ist der umsatzstärkste Film des Studios „Focus Features“ aller Zeiten, wie US-Medien berichten. Mit seinem bisherigen Einspielergebnis von mehr als 285 Millionen Dollar toppt er den Kassenschlager des Unternehmens „Downton Abbey“ aus 2019. Dabei soll das Budget für den Psychothriller lediglich bei rund 750.000 Dollar gelegen haben.

Der 26-jährige Barker wurde vor allem durch seinen YouTube-Channel „that's a bad idea“ bekannt. Dort veröffentlichte er auch seinen ersten Spielfilm, den Horrorfilm „Milk & Serial“. In „Obsession“ behandelt der amerikanische Regisseur nun Themen wie toxische Liebe und Besitzdenken.

Die Handlung dreht sich um Bear (Michael Johnston), der sich nicht traut, seinem Schwarm Nikki (Inde Navarrette) seine Liebe zu gestehen. Er nutzt einen magischen Gegenstand aus einem Kuriositätenladen, der ihm seinen Wunsch erfüllt, dass Nikki ihn mehr liebt als alles andere auf der Welt. Doch es dauert nicht lange, bis Bear seinen Wunsch bereut, denn Nikki entwickelt eine krankhafte Besessenheit. 

Erst subtil, dann immer brutaler

Zwar beruht „Obsession“ auf einer vertrauten Idee: Ein Traum verwandelt sich in einen Alptraum. Barker inszeniert dieses Szenario jedoch erfrischend unterhaltsam, zunächst subtil und dann immer brutaler und blutiger mit vielen Schockmomenten. So stellt er auch die Besessenheit Nikkis anfangs als ambivalent dar. 

In einigen Momenten wirkt es so, als würde sie sich innerlich gegen ihre „Verwandlung“ wehren, dann wiederum grinst sie angsteinflößend in die Kamera. Schauspielerin Navarrette verkörpert diese Rolle so überzeugend, dass man sich als Zuschauer nicht ganz sicher ist, was man von ihr halten soll - oder was sie wohl als Nächstes tut. Und Barker zeigt auch: Es braucht nicht immer ein großes Budget, sondern vor allem originelle Ideen.

© dpa-infocom, dpa:260616-930-229711/1

 
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