Simon ist mit seiner Kamera quer durch die Oberpfalz unterwegs | Amberg24

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Simons Bildbände sind eine Hommage an die Oberpfalz. (Bild: Simon Süß)
Simons Bildbände sind eine Hommage an die Oberpfalz. (Bild: Simon Süß)
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Simons Bildbände sind eine Hommage an die Oberpfalz. (Bild: Simon Süß)

Simon ist mit seiner Kamera quer durch die Oberpfalz unterwegs

Die Bildbände von Simon Süß sind eine einzigartige Liebeserklärung an seine oberpfälzer Heimat.

Ende 2022. Drei Jahre, unzählige Wanderungen, 250.000 gefahrene Kilometer, 177.000 fotografische Aufnahmen und 10.000 Arbeitsstunden liegen hinter ihm. Und unzählige Nächte in seinem Auto, wenn er wieder einmal warten musste. Auf das richtige Wetter, die richtige Stimmung, das richtige Licht. „Ach, so unbequem war das eigentlich gar nicht“, sagt Simon Süß und lacht. „Am Anfang schon noch, denn da habe ich oft im Sitzen geschlafen. Dann habe ich mir aber hinten in den Polo eine Matratze reingebastelt, mit einem Schlafsack und ein paar Kissen war das ganz gemütlich. Dann habe ich mir noch ein Bierchen aufgemacht zum Einschlafen, dann hat das schon gepasst.“

Mikrokosmos Oberpfalz

Der Aufwand hat sich gelohnt und ein opulenter Fotoband ist dabei herausgekommen. Dieser ist eine einzigartige Reise in Bildern und widerlegt eindrucksvoll viele Vorurteile, mit denen die Oberpfalz lange zu kämpfen hatte. Von wegen ärmlich, karg, rau und dunkel. Simon Süß schafft es mit seinen Fotos, die Schönheit und Anmut, das Schroffe und Wilde, das Liebliche und Bezaubernde seiner Heimat einzufangen. Hat man das Buch einmal geöffnet, kommt man aus dem Schauen gar nicht mehr heraus, möchte es am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen und noch ein wenig weiterblättern. Noch ein wenig staunen. Und man freut sich. Darüber, dass man hier Zuhause ist. In einer Region, die so viele verschiedene Facetten zu bieten hat.

„Die Oberpfalz ist ein Mikrokosmos für sich“, sagt der Fotograf und Autor, der aus Steinberg am See stammt. „Unsere Region ist historisch am interessantesten in ganz Bayern, hier ist in den vergangenen Jahrhunderten so viel passiert. Dazu kommen die herrliche Landschaft und die saunetten Leute. Man kann so vieles erleben hier, da braucht man gar nicht so weit fahren.“ Alles begann damals, als Simon sein erstes Mofa bekam. „Da bin ich dann einfach mal in Richtung Regen losgefahren“, erzählt er. „Ich bin erschrocken, als plötzlich ein riesiges Kloster vor mir aufgetaucht ist. Da habe ich gemerkt, dass ich gar nicht weiß, was es bei uns hier so alles gibt. Und ich bin neugierig geworden.“

Von wegen langweilig

Während seine Kumpels von einem Urlaub auf Mallorca träumten, wollte Simon Süß lieber die Oberpfalz erkunden. „Natürlich war ich mit meinen Eltern auch schon viel unterwegs, aber bestimmte Regionen kennt man halt einfach nicht. Mit etwa 18 kam ich dann das erste Mal in die Gegend rund um Weiden und Neustadt und war beeindruckt – zum Beispiel vom romantischen Waldnaabtal. Später habe ich mit einem Kumpel die Gegend rund um Ensdorf und den Hirschwald erkundet. So ging es dann immer weiter. Langweilig wird’s hier ja nicht so schnell.“ Schon während seiner Schulzeit an der FOS in Schwandorf pflegte Simon Süß seine Seite „Die Oberpfalz“ auf Facebook. Er wollte auch andere an der Schönheit seiner Heimat teilhaben lassen.

„Damals habe ich tatsächlich noch mit dem Handy fotografiert“, erzählt Simon Süß. Und er muss lachen, wenn er an seine Bilder von damals denkt. „Dass diese Qualität nicht reicht für ein Buch, das haben die mir dann schnell gesagt, als ich beim ersten Verlag angefragt habe. Also blieb mir nichts anderes übrig, als zu lernen, richtig mit einer Kamera umzugehen.“ Der Steinberger war also kein guter Fotograf, der irgendwann ein Buch gemacht hat. Sondern das Ganze war andersherum: Er wollte ein Buch machen und wurde deswegen zum guten Fotografen. Denn wenn Simon Süß sich etwas in den Kopf gesetzt hat, zieht er das durch. Auch dann, wenn es Jahre dauert.

Das perfekte Foto

„Denn irgendwann stellt man sich doch die Frage: Was will ich mit meinem Leben machen?“, sagt der heute 32-Jährige. „Und es gibt Sachen, die muss man einfach durchziehen, denn sonst lassen sie einen nie wieder los.“ Statt sein Geschichtsstudium in Regensburg zu beenden, zog Simon Süß also erst einmal mit Kamera und Drohne los. Erkundete jeden Winkel seiner Heimat. Beobachtete den Sternenhimmel über dem Steinwald. Stieg unzählige Male die steilen Stufen zur Burgruine Weißenstein hoch. Fing die ersten Sonnenstrahlen in Regensburg ein. Wartete auf den perfekten Sonnenuntergang auf der Hindenburgkanzel im Oberen Bayerischen Wald. Vertrieb Wildschweine mit Marschmusik aus dem Autoradio. Und holte sich immer wieder die nötigen Genehmigungen bei Behörden und Grundstücksbesitzern.

„Für ein perfektes Foto muss halt alles ganz genau geplant werden – Motiv, Wetter, Tages- und Jahreszeit.“ Doch manchmal reicht auch die beste Planung nicht. Nämlich dann, wenn es plötzlich tagelang stürmt oder schneit. „Wenn einmal das Wetter nicht passt, dann muss man halt den Pfarrer XY anrufen – oder seine Sekretärin kontaktieren. Und fragen, ob man vielleicht das Innere einer Kirche fotografieren darf“, erklärt Simon. „Oder eben dann die Zeit nutzen, um die nächsten Wochen zu planen.“

Freie Tage gönnte sich der Fotograf über drei Jahre so gut wie keine. Sogar an Weihnachten war er unterwegs, um die Oberpfalz in ihrem besten Licht und zu ihrer ruhigsten Zeit zu zeigen. „Da war ich auf der Walhalla oben“, erzählt er. „Der einzige Moment, wo da mal keine Leute sind. Und endlich die Chance, das perfekte Foto in den Kasten zu bekommen.“

Und es geht weiter

Rund 250 der insgesamt 177.000 gemachten Aufnahmen schafften es schließlich ins Buch. Wie schwer da die Auswahl war, will man sich gar nicht vorstellen. „Natürlich kann man auch Bilder bei mir erwerben und sich zum Beispiel auf Leinwand an die Wand hängen“, sagt Simon Süß und lacht. „Ich glaube, ich habe da noch ein paar ganz schöne übrig.“

Und bei den 177.000 Fotos bleibt es nicht lange. „Man hat immer zwei Möglichkeiten. Entweder man sagt, das Projekt ist abgeschlossen. Oder man sagt, ich lege noch was drauf.“

Weitere Fotobände

Der Kamerarucksack blieb gepackt und der Fotograf brachte etwa ein Jahr später seinen zweiten Fotoband „Burgen der Oberpfalz“ heraus. „Kaum eine Region im deutschsprachigen Raum ist so dicht durchzogen von Burganlagen wie die Oberpfalz“, erzählt er. „Am meisten berührt mich, dass viele dieser Orte heute verlassen sind – verfallen und mit Moos bedeckt, vom Wald zurückerobert. Und dennoch spürt man dort etwas – eine Ruhe, eine Kraft, eine Verbindung zur Geschichte.“

Auch für diesen Band reiste Simon quer durch die Oberpfalz, und wartete auf das perfekte Licht und eine ergreifende Stimmung, die die Burgen von ihrer besten Seite zeigen sollten. Wanderte durch die Nacht oder bahnte sich seinen Weg über eisige Wege. Auch bei der Vorbereitung für sein zweites Werk blieb ein bisschen Abenteuer Teil seines Alltags. Am Ende schafften es über 150 Fotos in die Ausgabe zusammen mit spannenden Geschichten rund um die Ruinen, Ritter und alte Sagen der bekannten Kulturjournalistin Christine Riedl-Valder.

Mitte 2025 erschien sein neuester Fotoband: „Niederbayern“. Mit 200 Fotografien von „den Hügeln des Rottals über die Wälder des Bayerischen Waldes bis zu den stillen Ebenen im Gäuboden“ nahm er sich diesmal eine ganz neue, aber nicht weniger atemberaubende Region in Bayern vor.

Und Simons Reise geht noch weiter. Bald soll sein viertes Buch erscheinen. In „Die Stille der Seele – 10 Jahre durch die Oberpfalz“ nimmt er die Leser mit auf eine persönliche Wanderung durch ein Jahrzehnt in der Oberpfalz: Begegnungen, Entdeckungen und innere Wandlung. „Aber ich sitze auch schon an Buch Nummer 5“, erzählt der Bayernfotograf.

 
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