Der Erfolg der Serien-Adaption von „Heated Rivalry“ lässt einen Thüringer Buchverlag rotieren. Wie die Geschichte den Weg zum Verlag fand und warum sich die Chefin über mehr als die Nachfrage freut.
Eine Geschichte über die Liebe zwischen zwei Eishockeyspielern hat einem kleinen Thüringer Buchverlag größere Bekanntheit beschert. „Es hat gleichermaßen Freude und Herausforderungen mit sich gebracht“, fasst Jeanette Bauroth die Auswirkungen des Erfolgs der Streaming-Serie „Heated Rivalry“ für ihren Verlag Second Chances zusammen.
Die Verlegerin freut sich, dass queere Liebe mehr Sichtbarkeit bekommt. „Es ist großartig, dass das Thema so eine Bühne bekommt“, so Bauroth. Die Herausforderungen lägen dagegen auf der logistischen Seite: „Die Nachfrage nach dem Buch ist quasi über Nacht explodiert – und dann auch noch unmittelbar vor Weihnachten.“
„Konstant für Nachschub zu sorgen, das ist Teil meines Alltags gerade.“ Derzeit lasse der Verlag in mehreren Druckereien parallel drucken. Welchen Umfang die aktuelle Auflage hat, sagt Bauroth nicht konkret, sie sei fünfstellig. Von den knapp 100 Titeln im Verlagsprogramm sei „Heated Rivalry“ das aktuell erfolgreichste Buch, andere Titel seien mit Blick auf die Zahlen aber nicht allzu weit entfernt.
Die kanadische Streaming-Serie „Heated Rivalry“ ist seit Kurzem beim Streaming-Anbieter HBO Max zu sehen. Darin geht es um die zwei fiktiven Eishockey-Stars Shane Hollander (Hudson Williams) und Ilya Rozanov (Connor Storrie), die in verschiedenen Mannschaften rivalisieren, privat aber eine geheime romantische Beziehung entwickeln. Die beiden Hauptdarsteller sind inzwischen Stars und waren sogar Fackelträger bei den Olympischen Winterspielen in Italien.
Nachdem sie in Kanada und USA zuerst Aufmerksamkeit erregt habe, sei die Serie mittlerweile ein weltweites Phänomen, ordnet eine Sprecherin von HBO Max ein. Zahlen dazu, wie viele Abos „Heated Rivalry“ dem Streaming-Dienst in Deutschland beschert hat, nennt sie nicht. Aber sie versucht den Zuspruch zu erklären: „Sie ist nicht einfach auf Sex reduziert, sondern eine richtige Liebesgeschichte zwischen zwei Männern und das in einem sehr männlichen Sport; das hat offenbar einen Nerv getroffen.“
Die Verfilmung „Heated Rivalry“ basiert auf einer Buchreihe der kanadischen Schriftstellerin Rachel Reid. „Die Serie ist sehr buchgetreu verfilmt“, schätzt Bauroth ein. Sie sei nicht „hollywoodisiert“ worden und nicht „verschämt“ verfilmt: „Es gibt viele explizite, „spicy” Szenen.“
Die erste gedruckte deutsche Übersetzung eines der Bände ist in Bauroths Verlag erschienen. Vom Erfolg sei sie selbst überrascht worden. „Als wir im Oktober 2024 die Weichen dafür gestellt haben, das Buch ins Programm zu nehmen, war die Verfilmung noch kein Thema.“
Die Literaturübersetzerin war selbst vom Original begeistert gewesen, wollte den Titel auf Deutsch gerne für den Verlag übernehmen, in dessen Programm bereits weitere Romane zu queeren Liebesgeschichten erschienen sind. Die Übersetzungsrechte lagen aber bei einem Digitalverlag, der „Heated Rivalry“ schon als E-Book auf Deutsch herausgebracht hatte. „Aber dort folgte keine Print-Ausgabe“, so Bauroth weiter. Auf einer Buchmesse sei sie mit dem Digitalverlag in Kontakt gekommen und habe eine Einigung für die Softcover-Ausgabe erzielen könne.
Dazu passte auch der spezielle Ansatz von Second Chances: So führe der Verlag etwa Reihen fort, die andere Verlage wegen Neuausrichtungen aus dem Programm nehmen, oder bringe Titel heraus, die nicht mehr erhältlich sind, die den Lesern fehlen. Denn diese können sich etwa auch mit Übersetzungswünschen an Second Chances wenden. „Da war der Wunsch, mitbestimmen zu können, wie und was veröffentlicht wird“, erklärt Bauroth die Grundidee.
Dass ihr Verlag mit Sitz im etwa 9.000 Einwohner zählende südthüringischen Steinbach-Hallenberg gerade auf einer weltweiten Erfolgswelle mitschwimmen kann, sei in ihrer Heimat wohl kaum bekannt, schätzt Bauroth. „Das ist immer etwas surreal.“ Und auch wenn der Erfolg der Streaming-Serie den Verkauf des Buches ankurbelt, hat er etwas Bitteres.
Denn weitere Rechte für die anderen Bände an der Buchreihe, für Schmuck- und Hard Cover-Ausgaben etwa wurden Bauroth zufolge per Auktion vergeben. Als kleiner Verlag habe Second Chances da das Nachsehen gehabt. Immerhin: Auf der Leipziger Buchmesse im März kann Bauroth am Second Chances-Stand eine Paperback-Sonderausgabe mit neuem Design anbieten.
Neue Zielgruppen würden mit solchen queeren Stoffen erschlossen werden, sagt Bauroth. „Menschen fühlen sich jetzt in der Literatur gesehen.“ Es gehe um Darstellungen, die mit ihrer Lebensrealitäten zu tun haben. Gleichzeitig spiele bei dem Romance-Genre auch ein ganz anderer Aspekt eine wichtige Rolle. „Ich würde es so einordnen, dass sich Menschen angesichts der weltpolitischen Lage auf Sachen stürzen, die ihnen Hoffnung geben. Und genau das ist das Versprechen von Romance, dass die Geschichte gut ausgeht.“
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