13 Frauen, eine Mission: zusammen Gutes tun und selbst wachsen. Im Ladies’ Circle Amberg trifft sich keine gewöhnliche Clique – hier werden Freundschaft, Engagement und Tatkraft zelebriert. Ein Abend bei den Ladies inspiriert und bewegt.
Ein normaler Abend in Amberg. In einem gemütlichen Nebenzimmer flackert Kerzenlicht, Gläser klirren leise, irgendwo wird gelacht. Auf dem Tisch steht eine brennende Kerze – die „Kerze der Freundschaft“. Wenn sie brennt, wissen alle: Jetzt beginnt der Tischabend des Ladies’ Circle Amberg.
Dreizehn Frauen zwischen Ende 20 und Anfang 40 sitzen um den Tisch. Ärztinnen, Verwaltungsangestellte, Hundetrainerinnen, Ingenieurinnen, Unternehmerinnen – ganz verschiedene Lebensläufe, aber alle mit demselben Antrieb: gemeinsam etwas bewegen. Was sie verbindet, ist der Wille, Gutes zu tun – und dabei auch selbst Freude zu haben.
Der Ladies’ Circle 85 Amberg – die Zahl steht für die Gründungsnummer in Deutschland – ist offiziell seit 2019 Teil des internationalen Netzwerks, das ursprünglich aus Großbritannien stammt. Der Ladies’ Circle selbst ist ein historischer Serviceclub, der weltweit zahlreiche lokale Circles hervorgebracht hat, auch in Deutschland. Gemeinsam mit dem Round Table, dem männlichen Pendant, ist der Amberger Circle fest in der Region verankert.
„Wir wollten nicht nur das Beiwerk sein“, erzählt Christina, derzeitige Präsidentin des Ladies‘ Circle Amberg und seit den Anfangstagen dabei. „Einige unserer Männer sind im Round Table und wir dachten uns: Das können wir auch!“ Seitdem treffen sie sich regelmäßig, organisieren Spendenaktionen und unterstützen soziale Projekte – meist dort, wo staatliche Hilfe nicht ausreicht. Im Fokus stehen dabei lokale Initiativen: der Hospizverein, die Notfallseelsorge oder Vereine für Frühchen und Kinderpalliativarbeit. Das Geld, das sie sammeln, kommt aus eigenen Aktionen – etwa vom Ladies-Night-Flohmarkt oder Feiertagsaktionen am Muttertag, Vatertag, Ostern und Weihnachten.
Was auffällt: Der Club ist jung, modern und offen. Keine festgefahrenen Kriterien oder Klassen. Stattdessen viel Lachen, Ideenreichtum – und ein bisschen britischer Stil, wenn bei offiziellen Anlässen der klassische Faszinator, eine typisch britische Kopfbedeckung, im Haar getragen wird.
Auch wenn vieles locker wirkt, steckt hinter der Organisation und den Tischabenden eine klare Struktur. Es gibt eine Präsidentin, eine Vizepräsidentin, eine Past-Präsidentin, eine Schatzmeisterin, eine Sekretärin und einen sogenannten Sergeant – der mit einem Augenzwinkern dafür sorgt, dass alle sich an die Regeln halten. Wer beispielsweise zu spät kommt oder aufs Handy schaut, zahlt eine kleine Strafe in die gemeinsame Kasse.
„Neulich habe ich die Regel aufgestellt, dass man nur mit der linken Hand trinken darf“, erzählt Jenny, die aktuell das Amt des Sergeant innehat und lacht. Man spürt: Hier wird Ehrenamt gelebt, aber nicht verstaubt. „Wir sind kein Club, der nur aus Geldgebern besteht. Wir packen selbst an“, sagt Christina.
Für die Ladies ist es besonders wichtig, dass jede Verantwortung übernehmen und Projekte aktiv mitgestalten kann. „Das ist verdammt wichtig, gerade wenn man eine überschaubare Anzahl an Mitgliedern hat. Du musst das schon auch aktiv mitgestalten wollen, sonst würdest du es nicht machen. Und es ist auch schön, wenn man sagen kann: ‚Da war ich dabei, da habe ich was beigetragen.‘ Das stellt einen unheimlich zufrieden.“
Etwa alle drei Wochen treffen sich die Ladies zu ihrem Tischabend. Projekte werden besprochen, Spendenziele festgelegt, Aktionen geplant. Meist läuft alles nach Agenda, manchmal entstehen spontane Ideen, die später zu ganzen Veranstaltungen werden. Jede kann sich mit ihren Stärken einbringen – sei es Organisation, Design, handwerkliches Talent oder berufliche Erfahrung.
Die Amberger Ladies streuen ihre Unterstützung bewusst breit. Sie legen sich nicht auf bestimmte Zielgruppen fest, sondern entscheiden von Projekt zu Projekt, wo ihre Hilfe am meisten bewirken kann. Dafür laden sie regelmäßig Vertreter verschiedener Organisationen ein, um sich direkt über die Arbeit vor Ort zu informieren.
Besonders bewegend sind die Begegnungen mit Menschen, die selbst Hilfsprojekte leiten. „Der Vertreter des Hospizvereins hatte Tränen in den Augen, als er von ihrer Arbeit erzählte. Und er hat sich so ehrlich über die Spenden gefreut – das war für uns alle sehr rührend“, erinnern sie sich.
Doch es geht nicht nur ums Helfen, sondern auch um das, was zurückkommt. „Was ich für mich gelernt habe“, sagt eine der Ladies, „ist, dass jede eine andere Herangehensweise an Probleme hat – und dass diese unterschiedlichen Wege trotzdem zum Ziel führen. Das zu akzeptieren und daraus etwas zu lernen, verändert die eigene Sichtweise.“ Eine andere nickt zustimmend: „Ich habe gelernt, dass jede Probleme hat – egal, wie unterschiedlich wir sind – und dass man durch die anderen auch selbst wächst.“
Freundschaft ist keine Pflicht, aber sie passiert oft automatisch. „Man muss sich nicht lieben, aber man muss sich respektieren“, sagt Christina. „Und das tun wir.“ Es geht nicht darum, die beste Freundin zu finden, sondern um gegenseitige Unterstützung. Der Zusammenhalt ist spürbar. Wenn eine von ihnen Hilfe braucht, ist jemand da – sei es mit Rat, beruflichen Kontakten oder einfach mit einem offenen Ohr.
Die größte Herausforderung? Zeit. Das Ehrenamt bedeutet Organisation. Beruf, Familie und Engagement unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach. Oft bleibt die Care-Arbeit trotz einer modernen Welt noch an den Frauen hängen. Aber sie sagen es ohne Bitterkeit, eher mit Pragmatismus. „Wir machen’s halt trotzdem – weil’s uns wichtig ist.“ Die Frauen des Ladies’ Circle Amberg haben ihre Routinen gefunden. Wenn eine nicht kann, springen andere ein, wenn Projekte größer werden, packen alle an. Ein Geben und Nehmen, das funktioniert.
Gleichzeitig sprühen sie vor Ideen. Sie träumen groß, denken kreativ – doch oft fehlt schlicht die Manpower, um alles umzusetzen. „Alleine könnte man das nicht umsetzen, aber in der Gruppe können wir sowas.“ Der nächste große Plan heißt Eve – ein Tanzabend mit DJ, moderner Musik und einem guten Zweck. Früh anfangen, früh heimgehen, und dabei etwas Gutes tun. Eine Party mit 2000er-Hits, Tanzen von 19 bis 23 Uhr für alle – ohne Geschlechterspezifikation. Das Konzept ist typisch Ladies’ Circle: kreativ, lebensnah und locker.
Eine gute Lady braucht keinen beeindruckenden Lebenslauf oder „perfekten“ Hintergrund. Entscheidend ist: der Wille, etwas zu bewegen, und die Offenheit, neue Menschen kennenzulernen. Viele Mitglieder kannten sich vorher gar nicht. Sie sind keine Schulfreundinnen oder Kolleginnen, sondern Frauen, die durch denselben Gedanken verbunden sind: gemeinsam Gutes tun.
Eine Lady ist neugierig, respektvoll und bereit, Zeit zu investieren. Sie hört zu, bringt Ideen ein und packt mit an. Wer diese Haltung mitbringt, ist willkommen – ganz gleich, aus welchem Beruf oder Lebensumfeld. Und wer sich angesprochen fühlt, darf jederzeit auf die Amberger Ladies zukommen.
Wer Mitglied werden möchte, durchläuft eine Art Kennenlernphase – einen Weg, der viel über die Gemeinschaft erzählt. Am Anfang steht ein sogenanntes Kamingespräch: ein erstes, unverbindliches Treffen bei Kuchen und Tee, bei dem sich beide Seiten kennenlernen. Die Anwärterin, die sogenannte Aspirantin, bekommt einen Einblick, was den Ladies Circle ausmacht: wie die Treffen ablaufen, welche Prinzipien gelten und welche Verantwortung das Engagement mit sich bringt.
Danach folgen mehrere Abende, zu denen sie eingeladen wird. Sie darf mithelfen, Projekte begleiten, zeigen, wie sie sich einbringt – und auch selbst spüren, ob das Miteinander für sie passt.
Diese Kennenlernphase dauert oft Monate, manchmal fast ein Jahr. Die Entscheidung fällt erst, wenn alle überzeugt sind. Ein einziges Veto einer bestehenden Lady würde reichen, um die Aufnahme zu stoppen – kommt aber so gut wie nie vor.
Wird die Anwärterin schließlich offiziell aufgenommen, geschieht das feierlich – fast ein bisschen zeremoniell – und meist im Rahmen einer offiziellen Veranstaltung mit Vertretern anderer Circles aus der Region und Mitgliedern des Round Table. Die Stimmung ist festlich, die Tische stilvoll gedeckt, die Ladies in passender Kleidung. Reden werden gehalten und die Prinzipien des Circles von der jüngsten Lady vorgelesen: Hilfsbereitschaft, Zusammenhalt, Toleranz, gegenseitige Anerkennung, persönliche Entwicklung, Weiterbildung und Vertrauen.
Dann folgt der entscheidende Moment, in dem die Aspirantin eine Lady wird. Sie bekommt eine Urkunde, ihren Anstecker – den Pin – und den Faszinator, der mit schwarzen Bändern und Federn geschmückte Haarreif. Es wird applaudiert und angestoßen. Ein Moment zwischen Stolz und Rührung für alle Ladies.
Wenn am Ende eines langen Abends die Kerze der Freundschaft gelöscht wird, bleibt ein Gefühl, das alle beschreiben können: Zusammenhalt. Es ist das Bewusstsein, Teil von etwas zu sein, das nicht nur Gutes bewirkt, sondern auch das eigene Leben bereichert.
Ladies’ Circle – das klingt vielleicht nach Etikette und Teekränzchen. Doch es bedeutet vor allem: Engagement, Lebensfreude und Gemeinschaft. Ein Tipp an alle, die noch zögern: einfach machen und Zeit mitbringen. „Es tut nicht weh, eine Lady zu sein“, beteuern die Ladies schmunzelnd.